Italien Flagge Soldatenfriedhof Cassino - Caira

Am deutschen Soldatenfriedhof Caira
Ansprache bei der Kranzniederlegung
in deutsch und italienisch.

Ansprache am Soldatenfriedhof

Kranzniederlegung am Soldatenfriedhof

Kranzniederlegung am deutschen Soldatenfriedhof Caira

Cassino war vor dem 2. Weltkrieg eine typische italienische Stadt mit 25.000 Einwohnern, lärmend, geschäftig, im Sommer sehr heiß und staubig. Als Marktflecken war die Stadt das Zentrum, zu dem die Bauern ihre Erzeugnisse brachten und gleichzeitig war Cassino der Sitz der staatlichen Verwaltung. Die Lage der Stadt, an der Hauptstraße, auf halbem Wege zwischen Neapel und Rom, machte Cassino zum Rastplatz für die Reisenden zwischen den beiden Städten.
Cassino gab es schon im 4. Jahrhundert vor Christi, aber Cassino's besonderer Ruhmesausspruch beruht auf dem mächtigen Berg, der sich hinter der Stadt erhebt und ihren Namen trägt.
Im Jahre 529 wurde das Kloster Montecassino vom Hl. Benedikt gegründet und bereits im Jahre 581, 40 Jahre nach dessen Tod, erlitt das Kloster die erste seiner vier Zerstörungen.
Es gibt zwei Straßen zwischen Neapel und Rom, die Via Appia und die Via Casilina, die die Römer vor fünfundzwanzig Jahrhunderten erbaut hatten. Die Via Casilina ist eine der großen Straßen der Geschichte. So wählten auch im Jahre 1944 die deutschen Truppen in Italien das Gebiet Cassino zum Schauplatz ihres größten Verteidigungskampfes in Süditalien.

Worum es im Grunde ging? Dieser Berg, der das breite Lirital und die Ebene von Cassino beherrscht, versperrte den Alliierten den Weg nach Rom. Gemeinsam mit dem 940 m hohen Monte Maio hinderte er sie, in das zehn Kilometer breite Lirital einzudringen, eine ideale Panzerrollbahn, an deren Ende die italienische Hauptstadt lag. Für die deutschen Verteidiger ging es allerdings um mehr als einen rein taktischen Abwehrkampf. Sie wussten, dass die Aufgabe von Süd- und Mittelitalien den alliierten Truppen wertvolle Flugplätze einbringen würde, Flugbasen, von denen aus es der bisher im Raume Foggia in Apulien stationierten amerikanischen 15. Luftflotte möglich sein würde, ihre Bombenangriffe tief nach Süddeutschland und nach Österreich hineinzutragen. Man kann tatsächlich feststellen, dass mit der Inbesitznahme der Flugplätze in Mittelitalien durch die Alliierten im Frühsommer 1944 die Bombenangriffe gegen süddeutsche und österreichische Städte an Zahl, Eindringtiefe und Wirkung wesentlich zunahm. Der zähe Widerstand der deutschen Divisionen an dieser Stelle war also keineswegs „sinnlos". Ihnen oblag eine geradezu klassische Aufgabe, wie sie dem ursprünglichen Auftrag des Soldaten entspricht. Der unmittelbare Schutz wehrlosen Lebens, der Schutz von Frauen, Kindern und alten Menschen in der Heimat.
Im Zuge der Kampfhandlungen wurde die Abtei Montecassino am 15. Februar 1944 zum vierten Male zerstört. Das Kloster und die Stadt selbst wurden schöner denn je wieder aus ihren Trümmern aufgebaut und Leben pulsiert wieder in dieser Landschaft.
So ist es auch verständlich, dass dieser markante Ort zum Sammelplatz unserer Kriegstoten des süditalienischen Raumes vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V. erwählt wurde. Im Herbst 1959 wurde bereits mit den Umbettungsarbeiten der deutschen Gefallenen in den Soldatenfriedhof Cassino begonnen. Die Toten wurden von provisorisch angelegten Friedhöfen rings um Cassino, Roccasecca - Pontecorvo - Monticelli - Esperia, aus den breiten Flusstälern des Rapido, des Liri, des Garigliano und von den steilen Berghängen des Monte Camino, des Monte Castello und des Monte Cassino selbst hergebracht. Aus 602 Orten in 21 Provinzen wurden die Gefallenen hier zur letzten Ruhe gebettet.

Etwa drei Kilometer nördlich der Stadt Cassino Friedhof in dem kleinen Vorort Caira liegt der deutsche Soldatenfriedhof. Der südliche Ausläufer des Colle Marino, mit einer Fläche von 75.000 m², wurde für diesen Soldatenfriedhof durch die italienischen Behörden zur Verfügung gestellt. Wer vorüber an der Plastik im Eingangsgebäude, durch die schmale Tür zum Friedhof hinausgetreten ist, stößt auf die geschwungenen Terrassen mit den tausenden von Gräbern, dem ist, als befände er sich in einer anderen Welt. Immer weiter hinauf führt der Weg bis dorthin, wo an der höchsten Stelle ein Hochkreuz aus Schmiedebronze aufgerichtet ist. Als Mahnzeichen zur Versöhnung über den Gräbern steht es hoch über der Ebene von Cassino, die vor über 60 Jahren unendlich viel menschliches Leid gesehen hat. Namenssteine kennzeichnen die Gräber. Auf der obersten Terrasse finden wir das Grab der Namenlosen. Starke Baumgruppen trennen den Friedhof gegen Norden vom angrenzenden Weideland.

Er birgt zum großen Teil die deutschen Soldaten, die bei den schweren Kämpfen um das Monte-Cassino-Massiv im Jahr 1944 in Süditalien gefallen sind. Wer heute vor dem aufragenden Berg mit dem wieder aufgebauten Kloster steht und weit über die Ebene und die umliegenden Berge blickt, sollte wissen, dass hier Menschen aus zwanzig Nationen erbittert gegeneinander gekämpft haben, Deutsche, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Kanadier, Polen, Italiener, Neuseeländer und Inder. Ihre Gräber sind Zeugnisse dieser gewaltvollen Zeit.

Der deutsche Soldatenfriedhof wurde in den Jahren 1959 - 1964 vom Volksbund errichtet und am 4. Mai 1965 der Öffentlichkeit übergeben. 20.058 Gefallene haben hier ihre letzte Ruhestätte erhalten.

Ein breiter Weg führt hangaufwärts zum Eingangsgebäude. Durch ein nach dem Himmel zu offenes Rechteck fällt das Tageslicht auf eine Plastik "Trauer und Trost". Kreuze aus Travertin nennen auf beiden Seiten Namen, Dienstgrad und Lebensdaten von je drei Toten.

Zypressen und Pinien und die Aufgliederung der mit Johanneskraut bepflanzten Friedhofsflächen in fünf bogenförmige, nach oben ansteigende Terrassen prägen diese Anlage. Auf der Bergkuppe erhebt sich ein elf Meter hohes Kreuz aus Schmiedebronze. Dahinter liegen die Kameradengräber. Große Steinplatten verzeichnen die Namen derer, die mit Gewissheit unter den hier Bestatteten ruhen.

Rings um den deutschen Soldatenfriedhof Cassino befinden sich noch weitere Friedhöfe. So der britische, jenseits der Stadt Cassino, der polnische hinter den Bergen in der lang gestreckten Talwelle zwischen Kloster und der Höhe 593, dem "Kalvarienberg", der französische bei Venafro und der italienische am Monte Lungo, im Vorgelände von Cassino.
Auf den Bergen um Cassino, die vor über 60 Jahren verschiedene Streitkräfte im Kampf sahen, triumphiert heute der christliche Frieden. Wieder ist das Mutterhaus der Benediktiner, die Abtei Monte-Cassino, aus Ruinen neu erstanden. Leuchtendes Zentrum religiösen, kulturellen und künstlerischen Lebens, überstand das Kloster die vielfachen Wechselfälle der Geschichte von 14. Jahrhunderten und darf für sich in Anspruch nehmen, einen namhaften Beitrag zur christlichen Zivilisation und zum Fortschritt der Wissenschaft geleistet zu haben.
In der verpflichtenden Erinnerung an alle auf den Kriegerfriedhöfen bestatteten Gefallenen beschreiten Menschen guten Willens heute erneut den Weg der Wiederversöhnung um Familien, Völker und Nationen zu vereinen.