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Seit dem Piasten Boleslaus dem Langen, der im sächsischen Exil eine deutsche Erziehung erhalten hatte, stand Schlesien unter selbständigen Herzögen. Sie waren nur dem deutschen Kaiser verpflichtet. Das hinderte sie aber nicht, Ansprüche auf den polnischen Thron zu stellen. Seit Boleslaus Tod am 8.12.1201 herrschte sein Sohn Herzog Heinrich I. der Bärtige mit seiner Gattin Herzogin Hedwig von Andechs (später die Heilige).

Der Ort Frankenstein wurde etwa Mitte des 13.Jahrhunderts zwischen 1250 und 1260 gegründet.

Die deutschrechtliche Besiedlung der zwischen dem Gebirge und dem Zobten gelegenen sehr fruchtbaren Mulde erfolgte bereits um 1220. In dieser Zeit hatten an der slawischen Siedlung, welche 1210 Priluc genannt wird, fränkische Ansiedler den im Jahr 1230 als "Frankenberg sive (oder) Prilanc" genannten Ort gegründet. Frankenberg erhielt dann Stadtrechte. Von fränkischen Siedlern war in der Gegend eine zweite Stadt gegründet worden: Löwenstein, 1262 als "Lewinstein" genannt (nach ähnlichen fränkischen Ortsnamen). Beide Städte hatten aber nicht die Aufgaben eines starken städtischen Mittelpunktes in dem Gebiet erfüllt.

Einen schweren Rückschlag gab es zudem nach der Schlacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz zwischen dem Heer Heinrichs II. gegen die Mongolen am 9.4.1241. Die siegreichen Mongolen zogen sich nach der Schlacht mordend und brandschatzend entlang des sich am Gebirge hinziehenden Grenzwaldes, welcher Preseka genannt wurde, nach Süd-Osten zurück. Von ihnen wurden zahlreiche Ortschaften, darunter manche junge deutsche Siedlung abgebrannt, auch das 1222 von Herzog Heinrich I. dem Bärtigen, dem Gatten der Hl.Hedwig, neu gegründete Zisterzienser-Kloster Heinrichau. Sicher hatten auch die Städtchen Frankenberg und Löwenstein unter den durchziehenden Mongolen gelitten. Wahrscheinlich kam es auf Betreiben der Vögte dieser zwei Städtchen zur Neugründung des dann Frankenstein genannten Ortes an geeigneterer Stelle. Die fand man da wo sich die von Nord-Westen am Grenzwald, der Preseka, entlang kommende Straße mit der belebten, großen Handelsstraße von Prag nach Breslau kreuzte. So gründete Herzog Heinrich IV. von Breslau (1270-1290) die zudem etwa auf halbem Weg zwischen Frankenberg und Löwenstein liegende Stadt Frankenstein.

Die Stadt erhielt 1286 Neumarkter Stadtrecht. Der Stadtstatus der beiden anderen Städte wurde gleichzeitig aufgehoben. Für den Namen der neuen Stadt, so heißt es, wurde der erste Teil des Namens von Frankenberg und der zweite von Löwenstein verwendet. Es entstand der Name Frankenstein.

Frankenstein wurde auf dem Boden des bischöflichen Dorfes Protzan und des Trebnitzer Klosterdorfes Zadel errichtet.

Die erste große Schlacht dürften die Bewohner des jungen Frankenstein am 24.4.1277 gesehen haben. Es war die Schlacht bei dem etwas nördlich gelegenen Dorf Protzan. Zwischen Protzan und Stolz kämpften die Breslauer gegen Boleslaus von Liegnitz weil dieser wegen Erbstreitigkeiten ihren Herzog, Heinrich IV. von Breslau, auf der Burg Lähnhaus gefangen hielt. Heinrich kam aber erst auf Vermittlung König Ottokars II. von Böhmen frei.

Die erste verbürgte Nachricht von Frankenstein gibt eine Urkunde vom 10.1.1287 in welcher Heinrich, der erste Vogt in Frankenstein, dem Kloster Kamenz drei Fleischbänke in der "civitas Frankenstein" verkauft. (erster Stadtplan 1300-1400)

Die Stadt Frankenstein wurde wie fast alle deutschen Stadtgründungen in Schlesien angelegt: Ein großer viereckiger Marktplatz wurde abgesteckt in dessen Mitte das Rathaus mit Lagerhäusern für allerlei Waren gebaut wurde. Es entstand der "Ring". Von den vier Ecken des "Ringes" gingen in Form eines Gitterrostes gradlinig Straßen aus, an der südwestlichen baute man die Kirche. Die Straßen führten zu den Stadtbefestigungen und den Stadttoren.

Frankenstein entwickelte sich rasch. Der Umstand, dass die Stadt Breslau seit 1294 zur Hanse gehörte, mag sich auch auf den Handel in Frankenstein günstig ausgewirkt haben.

Das älteste Rathaus von Frankenstein ist 1345 urkundlich erwähnt. Das nach Westen führende Lochtor wird 1364 erstmals genannt und die um 1300 erbaute herzogliche Burg wird im Jahr 1376 bezeugt.

Frankenstein hatte im Jahr 1285 schon eine Pfarrkirche aus Holz. Diese blieb aber Filialkirche von Zadel, entsprechend der Erbauung des Frankensteiner Stadtkerns auf dem Grund des Dorfes Zadel. Das blieb so bis zum Ende des 14. Jahrhunderts obwohl Zadel schon ab 1322 Stadtdorf von Frankenstein war. Als erster Pfarrer von Zadel und Frankenstein wird 1292 Cristanus genannt.

Die Stadt Frankenstein hatte innerhalb der Befestigungen eine Größe von 21 ha. Von Löwenstein und Frankenberg hatte Frankenstein aber nicht nur Teile des Namens erhalten, aus den beiden Orten zogen auch viele Bürger, Kaufleute und Handwerker nach Frankenstein. Vogt von Frankenstein war 1290 der aus einem Lokatorengeschlecht stammende Hermann von Reichenbach. Schon für das Jahr 1292 (Urkunde des Klosters Kamenz, Nr.XLVIII) ist ein "SIGILLUM. CIVIUM. DE. FRANKINSTEIN" nachgewiesen. Das Siegel zeigt über mehreren Hügeln, dem "Stein", eine Burg und über deren Zinnenmauer mit Tor drei spitz bedachte Türme. Aus dem Mittelturm der Feste wächst der schlesische Adler mit Brustmond, aber ohne Kreuz.

Bereits 1298 verlieh Bolko I. von Schweidnitz-Münsterberg der Stadt Frankenstein das Niederlagsrecht für Salz und Blei.

Chronik Teil 2