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Kaiser Karl IV. hatte Prag zur "Goldenen Stadt" gemacht, so wie wir es heute noch kennen. Mit seiner schlesischen Gattin Anna von Schweidnitz hatte er im Juli 1357 den Grundstein zur Karlsbrücke über die Moldau gelegt.

Auch die Stadt Breslau war sehr von Karl IV. gefördert worden. Sicher weilte er öfter in der Stadt an der Oder, wie später seine Söhne König Wenzel (1378-1411), der in Breslau den sogenannten "Pfaffenkrieg (es ging um ein Fässchen Schweidnitzer Bier!) schlichtete und dann Kaiser Sigismund (1419-1437). Dieser hielt 1420 in Breslau einen Reichstag ab, den einzigen deutschen Reichstag auf schlesischem Boden. Ihre Reise auf der "Königsstraße" zwischen Prag und Breslau über den Paß von Wartha dauerte mehrere Tagesritte. Am Weg lag Frankenstein. Sicher haben sie mit ihrem Gefolge und Troß in der Burg zu Frankenstein gerastet. Die Stadt war ein blühendes Anwesen geworden. Nachdem die alte hölzerne Pfarrkirche abgebrannt war, bauten die Frankensteiner in den Jahren 1413-1415 aus Stein eine neue große Kirche St. Anna. Nur einige Meter entfernt befand sich der Rest eines alten Wehrturmes von der ältesten Stadtbefestigung in dem sich unten ein Gewölbe befand, in das man nur von oben gelangte. Das mächtige Mauerwerk bot sich an, einen neuen Glockenturm darauf zu bauen. Auch in Neisse, dem schlesischen Rom, hatte man etwa 20 Jahre vorher mit dem Bau einer großen Kirche St. Jakobus begonnen, als deren Baumeister Peter von Frankenstein genannt wird. Auch hier wurde ein großer Glockenturm neben der Kirche geplant. Den Glockenturm in Frankenstein soll Baumeister Geiß dann absichtlich "schief" erbaut haben. Tatsächlich beträgt die Neigung des schiefen Turmes von Frankenstein 1,5 m. Doch "schief" wurde der Turm dann erst Ende des 16.Jahrhunderts.

Über die Königsstraße von Böhmen her zogen nicht nur Kaiser, Könige, Händler und Kaufleute nach Frankenstein. Auf dieser Straße kamen auch Räuberbanden und Kriegsheere. Und es kam die Geißel der Menschheit, die Pest. Unter der Lage an dieser Heerstraße bekam Frankenstein besonders zu leiden während der Hussitenkriege.

Die Hussitenplage

König Wenzels Bruder Sigismund hatte in seiner Eigenschaft als römischer König auf dem Konzil in Konstanz am 6.7.1415 den Prager Professor und Geistlichen Johann Huß verbrennen lassen.

Huß war ein Anhänger des englischen Reformators Wiklef und forderte eine Reformation der Kirche, besonders des Abendmahls. Mit dieser religiösen verband sich aber eine politische Bewegung, denn Huß stand an der Spitze einer tschechischen Partei, welche die Deutschen an der Universität Prag entmachten wollte. Er schürte den Deutschenhass. König Wenzel von Böhmen trug den Forderungen Rechnung, indem er aus den vier "nationes", von denen drei deutsch waren und eine böhmisch, nun drei Stimmen den Böhmen und nur noch eine den Deutschen zubilligte. Mehrere tausend Studenten, hauptsächlich Schlesier, verließen daraufhin 1409 Prag zusammen mit den deutschen Professoren, voran Johannes Otto von Münsterberg (geboren um 1360 in Münsterberg). Sie gingen nach Leipzig wo sie die dortige Universität gründeten. Der erste Rektor der Universität Leipzig war Johannes Otto von Münsterberg aus dem Herzogtum Münsterberg-Frankenstein.

In Frankenstein wurde 1415 die Kirche St. Anna fertig, und 1418 begann man mit dem Bau eines neuen Pfarrhauses, in dem wohl ein Raum zur Pfarrschule eingerichtet wurde.

Nach der Hinrichtung von Joh. Huß 1415 in Konstanz kam es in Prag zu schlimmen Ausschreitungen seiner Anhänger gegen alles deutsche. In diesen Wirrnissen starb König Wenzel 1419. Die Böhmen wollten jetzt seinen Bruder Sigismund nicht als Nachfolger anerkennen und boten den Königsthron dem polnischen König an. Die Schlesier standen aber auf Seiten von König Sigismund, denn man hatte schließlich lange genug um die Unabhängigkeit von Polen gekämpft.

Hauptsächlich auf die Kräfte von Schlesien, Ungarn und Mähren gestützt, unternahm Sigismund 1420 den Kampf mit Böhmen, der unter dem Namen "Hussitenkriege" 15 Jahre lang Schlesien entsetzlich verwüstet hat.

Bis 1425 führte Sigismund Angriffskriege gegen Böhmen. Er drang bis Prag vor und ließ sich auf dem Hradschin zum König von Böhmen krönen. Auf seinen Befehl wurden viele Hussiten verbrannt.

Dann begannen die vergeltenden Raubzüge der Hussiten in die Nachbarländer Böhmens, besonders nach Schlesien. Keine Stadt außer Breslau blieb in der Zukunft von ihnen verschont und Frankenstein lag direkt am Weg an der Straße von Prag ins schlesische Land. Die Hussittenkriege brachten eine neue Art der Kriegführung auf. Die Hussiten waren Meister in der Verteidigung im freien Feld. Sie fuhren ihre Wagen zu Wagenburgen zusammen und versahen diese mit Feuerwaffen größeren und kleineren Kalibers. Sie haben wohl auch die Artillerie für die Feldschlacht nutzbar gemacht. Die ritterliche Kriegskunst der schlesischen Fürsten war dagegen in vielen kleinen Fehden heruntergekommen. Wie leicht wären die Zugänge nach Schlesien durch das Gebirge auch mit schwachen Kräften zu verteidigen gewesen! Doch ohne eine stärkere Verteidigung war das Herzogtum Münsterberg mit dem Frankensteiner Land das gegebene Durchmarschgebiet und den haßerfüllten, tschechischen Horden preisgegeben. Am 3.Dezember 1425 erschienen die wilden Scharen vor Wartha, das da schon ein beliebter Wallfahrtsort und eine Probstei des Klosters Kamenz war. Sie ließen die Kirchen in Flammen aufgehen. Dann wurde das Kloster Kamenz überfallen. Hier verbrannten sie u. a. die kostbare Bibliothek. Der Pater Bibliothekar kam in den Flammen um. Die Vorräte des Klosters wurden weggeschleppt. Auf der alten Deutschenburg in Nimptsch, nördlich von Frankenstein, setzten sich die Hussiten auf längere Zeit fest.

1427 auf einer Tagung in Strehlen trafen die schlesischen Stände endlich scheinbar ernste Vorbereitungen zu einem einheitlichen Einmarsch in Böhmen. Doch die Tschechen kamen ihnen mit einem Angriff auf die Lausitz und Niederschlesien zuvor. Mit unermesslicher Beute entkamen sie über den Landeshuter Paß.

1428 wurden sie durch den Kleinmut der Landesverteidiger zu neuem, noch größerem Raubzug angelockt. Alles verheerend fluteten mächtige Hussitenschwärme von Troppau her gegen das Bischofsland von Neisse. Vergebens versuchten die bischöflichen Mannen unter dem Oberbefehl des Frankensteiner Landeshautmanns Puota von Czastolowitz, des besten Kriegsmannes der Zeit, den Gegner vor den Toren der Stadt Neisse aufzuhalten und zu vernichten. Sie wurden kurzer Hand besiegt, und ihres Kriegsgerätes beraubt, mußten sich die Verteidiger in die Stadt zurückziehen. Sie mussten froh sein, dass diese durch Puotas Geschick gehalten werden konnte. Bei ihnen befand sich auch der jugendliche Herzog Johann von Münsterberg. Die siegreichen Hussiten warfen sich unter gründlicher Verwüstung der bischöflichen Städte und Dörfer auf Patschkau, das sie unter der üblichen Grausamkeit einäscherten. Nach Geldzahlungen des Münsterberger Herzogtums wandten sie sich in nördliche Richtung gegen Brieg. Doch Frankenstein drohte bereits neue Gefahr durch hussitische Verstärkungen, die von Süden her marschiert waren und sich bei Reinerz des festen Hummelschlosses bemächtigt hatten. Sie wollten Glatz erobern und damit die Heerstraße über den Paß von Wartha nach Schlesien beherrschen. Die Umsicht des Frankensteiner Landeshauptmannes bewährte sich hier wieder. Er brachte Stadt und Schloß Glatz durch Befestigungen in Verteidigungszustand. Die Hussiten mussten den Versuch der Erstürmung aufgeben. Nach Verbrennung der Vorstädte zogen sie zum Paß von Wartha. Das gerade im Wiederaufbau befindliche Städtchen wurde wieder verwüstet, auch Frankenberg wurde geplündert und verbrannt. Dann standen die Hussiten am 30.März 1428 wieder vor Kamenz. Und hier ließen sie ihre Wut über den Misserfolg von Glatz aus. Die Mönche waren geflohen. Sie hatten die Klosterverwaltung dem Pfarrer von Baitzen übertragen, der wurde ermordet. Der Pfarrer von Heinrichswalde wurde zu Tode geprügelt. Kloster und Kirche Kamenz wurden angezündet und ausgebrannt. Sieben Jahre blieben sie Ruine.

Dann Karfreitag 2.April 1428 warfen sich die Hussiten-Horden auf Frankenstein. Die schwache Stadt wurde gestürmt und ausgeplündert. Am ärgsten hausten die Horden im Dominikanerkloster. Dass der Subprior ihnen ins Gewissen zu reden versuchte, reizte sie derartig, dass sie Heiligenbilder, Statuen und Altartrümmer auf dem Kirchplatz zu einem Scheiterhaufen stapelten und den mutigen Priester lebendigen Leibes verbrannten. Einen Klosterbruder hieben sie in Stücke, weil er gegen die Hussiten gepredigt habe, einen anderen hängten sie an einen Flügel des Breslauer Tores und töteten ihn durch Pfeilschüsse. Schließlich wurde Frankenstein an allen Ecken angezündet, die Pfarrkirche St. Anna brannte aus. Auch die Dörfer rundum wurden verbrannt.

Die Burg, in der wohl viele Frankensteiner Zuflucht gefunden hatten, vermochten sie nicht zu brechen. Dann zogen die Hussiten in Richtung Reichenbach ab.

Im Dezember des gleichen Jahres schoben sich wieder vom Hummelschloß Hussiten-Scharen auf der großen Straße Richtung Glatz vor. Sie errichteten bei Schwedeldorf am Roten Berg ein Standlager, um bei Gelegenheit Glatz zu überfallen. Inzwischen war es Herzog Hans von Münsterberg gelungen, ein kleines Heer aufzustellen. Mit diesem griff er am 27.12.1428 nach Sonnenuntergang die mit Schießwaffen armierte Wagenburg der Hussiten an. Doch sie liefen ins Feuer der Verteidiger und prallten entsetzt zurück. Der Angriff wurde zur wilden Flucht. Herzog Hans wurde von seinen Leuten mit fortgerissen. Bei dem Versuch einen Graben zu überspringen blieb sein Pferd im Sumpf stecken. Die nachfolgenden Hussiten erschlugen ihn. Sein Tod war für ganz Schlesien ein folgenschweres Ereignis. An der Stelle an welcher der letzte Piastenherzog des Münsterberg-Frankensteiner Fürstenhauses sein Leben ließ, wurde bei Alt-Wilmsdorf nahe Bad Reinerz zu seinem Gedenken eine Kapelle errichtet.

Die siegreichen Hussiten-Horden ergossen sich jetzt ungehindert plündernd und mordend bis Ohlau und Brieg an der Oder, dann zurück über Strehlen und Münsterberg, welche wie das verlassene Kloster Heinrichau in Flammen aufgingen. Das verödete, ausgeplünderte Frankensteiner Land mit seiner dünn gewordenen Bevölkerung blieb auch weiter das Durchmarschgebiet der Horden.

Münsterberg wurde nach dem Tod des letzten Piasten Johannes von Münsterberg vom böhmische König an Puota von Czastolowitz verpfändet. 1429 erhielt dieser auf gleiche Weise auch Frankenstein.

Leider begannen viele Adlige sich mit den Hussiten zu verbünden oder begannen unter deren Schutz das Leben von Raubrittern. 1430 machten dann die Polen und Tschechen gemeinsame Sache. Da bestand die Gefahr, dass Schlesien dem Deutschtum verloren ging.

Friedensverhandlungen kamen erst in Fluß als die Tschechen 1433 auf dem Konzil in Basel unter Mitwirkung von Kaiser und Reich in ihren religiösen Forderungen zurücksteckten und dafür einige Zugeständnisse erzielten. 1434 kam es unter den entzweiten Hussiten zur Schlacht bei Böhmisch-Brot wo die gemäßigteren Kalixtiner gesiegt hatten. Jetzt kam endlich ein Frieden mit den Hussiten zustande und damit die Befreiung Schlesiens von dieser Geißel. Es sollte lange dauern bis sich das Land erholte.

Frankenstein nach den Hussiten-Kriegen

1437 war König Sigismund gestorben. Sein Nachfolger wurde Albrecht II. von Österreich, sein Schwiegersohn, der Gatte seiner Tochter Elisabeth. Doch dieser starb bereits 1439 gegen die Türken.

Die Schlesier bewahrten Albrecht die Treue, indem sie an seinem nachgeborenen Sohn Ladislaus Posthumus und seiner für ihn regierenden Mutter Elisabeth festhielten. Sie standen der Witwe in einem Krieg gegen Polen bei. Als Elisabeth plötzlich starb wurde ein emporgekommener böhmischer Edelmann Georg Podiebrad Vormund des Kleinen Ladislaus. Dieser wurde in Wien am Hof seines Onkels Friedrich II. erzogen. Die Auslieferung des Knaben an Podiebrad wurde verweigert, worauf dieser sich als Gubernator von Böhmen ausrufen ließ.

Im Jahr 1440 begannen die Frankensteiner mit der Wiederherstellung ihrer Pfarrkirche St.Anna, die um 1465 beendet war. Podiebrad hatte inzwischen den jungen Ladislaus in seine Gewalt und unter seinen Einfluss gebracht. Die Breslauer waren durch einen Mönch gegen den "Hussen und Ketzer Podiebrad" aufgebracht worden. Sie weigerten sich, Podiebrads Schützling, dem jungen König Ladislaus in Prag zu huldigen. Ladislaus ging daher zur Huldigung nach Breslau und die Breslauer zahlten dafür lieber eine Strafe von 15.ooo Gulden. Dieses Geld benutzte Georg Podiebrad zum Ankauf der schlesischen Gebiete Glatz und Münsterberg mit Frankenstein. Podiebrads Verhältnis zu dem jungen König wurde immer gespannter. Als König Ladislaus 1457 erst 18jährig starb, beschuldigte man allgemein Podiebrad des Meuchelmordes. Jetzt wählten die Böhmen Georg Podiebrad zum König. Für Schlesien kamen wieder unruhige Zeiten. In den Jahren 1459/62/65 wurden die Söhne von Georg von Podiebrad mit dem Herzogtum Münsterberg einschließlich Frankenstein belehnt. Nun hatten aber die Ungarn Matthias Korvinus zu ihrem König gewählt, den Sohn ihres Nationalhelden Hunyad, und die Schlesier fochten auf Grund eines von Kaiser Karl IV. erlassenen und in die "Goldene Bulle" aufgenommenen Gesetzes, die Wahl Podiebrads an.

Im Jahr 1468 während der Auseinandersetzungen zwischen dem hussitischen Georg v.Podiebrad und Matthias Corvinus von Ungarn wurden Stadt und Schloß Frankenstein vom 16.August an von den Breslauern belagert. Am 16.September wurde das Schloß erstürmt und stark beschädigt. Doch die Breslauer verloren Frankenstein wieder an die Böhmen. 1471 starb König Podiebrad und die Böhmen wählten Wladyslaw, den Sohn des Polenkönigs. Doch 1479 war König Matthias Corvinus von Ungarn unbestrittener Herr in Schlesien. Doch wieder hatte in den Jahren 1488/89 Frankenstein zu leiden, jetzt im Kampf zwischen König Mathias von Ungarn mit Heinr. d. Älteren von Münsterberg. Am 22.1.1489 kapitulierte die böhmische Besatzung des Schlosses. Da erhielt 1490 Heinrich I., d. Ältere aus dem Geschlecht Podiebrad, Schloß Frankenstein zurück. Endlich sollte etwas Ruhe einkehren.

Doch König Matthias von Ungarn starb 1490 und sein außerehelicher Sohn Johann Corvin wurde von den Schlesiern nicht anerkannt. Sie stellten dem Böhmenkönig Wladyslaw gewisse Bedingungen und nach deren Gewährung (das Landesprivileg von 1498) huldigten sie ihm als ihrem König.

1492 am 12.Oktober entdeckte Kolumbus Amerika.

Frankenstein war da bereits mehr als 200 Jahre alt, eine deutsche Stadt. Doch von der Entdeckung der "Neuen Welt" hörte man damals in Frankenstein noch nichts.

Chronik Teil 4