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1606 hatte die Pest wieder viele Opfer in Frankenstein und Umgebung gefordert. Trotzdem und trotz der hohen Abgaben wegen der Türkenkriege war der Wohlstand der Bürger beachtlich gewachsen.

Überall in Schlesien blühten Wissenschaft, Dicht- und Baukunst.

Seit 1574 bis 1612 war Kaiser Maximilians Sohn Rudolf II. Oberherr in Schlesien. Rudolf II. musste den Protestanten in den Ländern Böhmen und Schlesien weitgehende Religionsfreiheit gewähren. Das Auftreten Luthers 1517, seine 95 Thesen und die weiteren Folgen waren auch in Schlesien viel beachtet worden. Allerdings hofften die Anhänger der alten wie der neuen Lehre lange, dass es zu einem Ausgleich der Meinungen käme. Erst nach dem Tridentiner Konzil musste man diesen Gedanken aufgeben. Von 1612–1619 kam Schlesien mit Böhmen an Rudolfs Bruder König Matthias.

Die wechselvollen Ereignisse des sich ankündigenden 30jährigen Krieges sollten Frankenstein und sein Schloß erneut zum Spielball der krieg führenden Parteien werden lassen.

Von den böhmischen Unruhen, die dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 voran gingen wußte man in Frankenstein nicht viel. Im Dezember 1618 rückten die ersten kaiserlichen Truppen in Böhmen ein. Vergeblich versuchten die schlesischen im Verein mit den anderen Fürsten zwischen den Parteien zu vermitteln. Schließlich stellten die Schlesier den Böhmen ein kleines Hilfsheer und damit waren sie in den furchtbaren 30jährigen Krieg verwickelt.

Die Böhmen hatten sich geweigert nach Kaiser Mathias Tod am 20.3.1619 den Thronfolger Ferdinand zum König zu wählen, sondern trugen die Krone Friedrich V. von der Pfalz an. Auf einem General-Landtag haben dann auch die schlesischen Gesandten für die Wahl des Kurfürsten Friedrich V. gestimmt. Im Frühjahr 1620 kam dieser über Frankenstein zur Huldigung nach Breslau, wo man ihn als ersten evangelischen Herrscher mit erlesener Pracht empfing. Im gleichen Jahr wurde er dann in der Schlacht am Weißen Berge geschlagen und floh über Breslau nach Berlin zu seinem Schwager. Ferdinand war zum deutschen Kaiser gewählt worden und widmete sich jetzt der Gegenreformation. Das Unheil des Krieges brach 1621 über das Frankensteiner Land herein, über Schlesien so richtig 1626 als Herzog Ernst v. Mansfeld nach seiner Niederlage durch Wallenstein an der Dessauer Brücke mit einem Heer von 20 000 Mann auf der Flucht durch Schlesien zog. Das Land stand dieser feindlichen Truppe wehrlos offen. Doch die nach dringenden Wallensteinschen Truppen hausten viel schrecklicher im Land obwohl sie die Armee des Landesherrn darstellten. Durch Graf Hannibal von Dohna wurde in des Kaisers Auftrag rigoros und oft grausam die Gegenreformation durchgeführt.

1630 brachte dann den Siegeszug des Schweden-Königs Gustav Adolf. Jetzt war Frankenstein bald im Besitz der Kaiserlichen, bald der Schweden. 1632 drangen die Sachsen unter Führung des Grafen Arnim in Schlesien ein. Er schlug die kaiserlichen bei Steinau. Nun mussten die schlesischen Fürsten den Schweden und Sachsen ihre Länder öffnen. Und 1633 wütete wieder die Pest in Frankenstein.

1634 schlug Graf Arnim noch einmal die Kaiserlichen bei Lindenbusch (Liegnitz). Zu der Zeit schloss der Kurfürst von Sachsen 1635 zu Prag einen Separatfrieden mit dem Kaiser. Der Kurfürst stimmte harten Bedingungen für Schlesien zu.

1637 folgte Ferdinand III. seinem Vater als Kaiser. Er war nicht minder katholisch gesinnt und betrieb die Gegenreformation mit größter Strenge. Nachdem die Schweden Schlesien für kurze Zeit verlassen hatten, brach 1642 General Torstenson mit seinen Scharen im Lande ein. Von den kaiserlichen verdrängt kehrte er 1645 zurück und zog wieder am Gebirge entlang bis zum Jablunka-Paß alle festen Städte und Schlösser einnehmend. Da wurde auch Frankenstein von den Schweden besetzt. Furchtbare Verwüstungen in der Stadt und ihrer Umgebung waren die Folgen des wütenden Kampfes um den Besitz des Frankensteiner Schlosses. Den Höhepunkt der Kämpfe bildete das Jahr 1646, wo es den kaiserlichen gelang, die Schweden endgültig zu vertreiben. Unmittelbar nach dem Abzug der Schweden wurde mit der Zerstörung begonnen, das Schloß wurde gesprengt. Seit dieser Zeit ist es die größte Burgruine Schlesiens.

Endlich machte der "Westfälische Frieden" zu Münster und Osnabrück 1648 dem Kriegsleiden ein Ende.

Frankenstein nach dem 30jährigen Krieg

Nach dem Friedensschluss von 1648 wurde in Schlesien die Gegenreformation strikt weiter fortgesetzt. Die Evangelischen verloren die meisten ihrer Kirchen, was das Haus Habsburg bei den Protestanten Schlesiens nicht beliebter machte. Es wurden den Evangelischen dann die drei "Friedenskirchen" in Schweidnitz, Jauer und Glogau zugestanden. Dagegen wurden viele neue Klöster gegründet, so in Frankenstein das Dominikanerkloster. Unter dem Einfluss der Klöster Kamenz und Heinrichau wurde im Raum Frankenstein-Münsterberg der Katholizismus wieder das herrschende Bekenntnis.

Die wirtschaftliche Stärke Frankensteins basierte vor allem auf Handel und Tuchmacherei (Zunft seit 1335) Jetzt gab es einen kulturellen und endlich auch wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung. Es blühte der Leinenhandel, es blühte die Baukunst. Die ausgeplünderten, ausgebrannten Kirchen bekamen eine neue Ausstattung im jetzt herrschenden Stil des Barock und Rokoko, so auch St. Anna in Frankenstein wo nur weniges die Brände überstanden hatte, wie die Figur der Hl. Anna Selbdritt von 1493. Auch die Kirche der Dominikaner wurde gebaut. Heinrich Franz Brosinger baute 1687 die Kreuzgänge im Dominikaner-Kloster zum Hl. Kreuz.

1654 übertrug Kaiser Ferdinand III. das Fürstentum Münsterberg mit Frankenstein erb- und eigentümlich dem Reichsfürsten Weikhard v. Auersperg wegen seiner Verdienste um das Haus Habsburg. Am 17.8.1654 erfolgte auf dem Schloß in Frankenstein die Huldigung der Stände vor dem Bevollmächtigten des Fürsten Auersperg, dem Grafen Christoph Leopold von Schaffgotsch. Dieser war der Sohn des 1635 wegen Verrats in Regensburg hingerichteten Hans Ullrich v. Schaffgotsch.

1657 folgte Kaiser Leopold I. seinem Vater Ferdinand III. in der Regierung. Am 21.11.1675 starb der letzte Piast Prinz Georg Wilhelm v. Liegnitz, Brieg und Wohlau erst 15jährig. Kaiser Leopold nahm sofort Besitz von den Fürstentümern. Als erbberechtigter Nachfolger hörte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der in einen Krieg mit Schweden verwickelt war, erst im Kriegslager vom Tod des jungen Prinzen. Er machte aber beim Kaiser sofort seine Erbansprüche geltend.

1683 wurde Wien unter Mitwirkung des polnischen Königs Johann Sobieski von den Türken befreit. Sobieskis Heer mussten hauptsächlich die Schlesier finanzieren. Sie waren durch ihren Fleiß bereits wieder zu Wohlstand gekommen. Der Handel blühte, besonders der Garn- und Leinenhandel blühte erstaunlich auf. Seine Absatzgebiete waren Polen, Frankreich, England, Spanien, die Niederlande und selbst Amerika.

Polen erhielt 1697 einen neuen König. Es war in Personalunion August der Starke von Sachsen.

Chronik Teil 6