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Friedrich Wilhelm III. besuchte im Jahr 1800 mit seiner Gattin Königin Luise Schlesien und bestieg, was damals noch selten war, die Schneekoppe im Riesengebirge. Er wohnte nicht weit von Frankenstein auf Schloß Fürstenstein. Dort wurde von der schlesischen Ritterschaft zu seinen Ehren ein großes Turnier abgehalten. Sicher war da vom Adel aus dem Frankensteiner Land mancher beteiligt.

Im Sommer des gleichen Jahres, 10 Jahre nach Goethe, sah Frankenstein noch einen anderen, bedeutenden Besucher: John Quincy Adams. Er war der älteste Sohn des 2. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika John Adams (1797-1801). Der Sohn des US-Präsidenten hatte 1797 das Amt des Bevollmächtigten Ministers, eines Botschafters, am preußischen Hof in Berlin übernommen, das er bis 1801 bekleidete. Bald nach seiner Amtsübernahme in Berlin hatte er mit der Vorbereitung zu einer Reise nach Schlesien begonnen. Am 17. 7. 1800 brach er mit Ehefrau, Kutscher und Zofe auf. Über das Riesengebirge, Kloster Grüssau und Schweidnitz kam er nach Frankenstein.

In die USA berichtete er in Briefen seinem Bruder Thomas auch von Frankenstein und Wartha.

25 Jahre nach seiner Schlesien-Reise war John Quincy Adams von 1825-1829 der
6. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch aus Frankenstein wanderten in den späteren Jahren viele junge Leute nach Amerika aus.

1804 ließ sich in Paris Napoleon zum Kaiser wählen. So sah Schlesien 1805 wieder fremde Heere auf seinem Boden. Der Zar von Russland rückte mit seiner Armee als Bundesgenosse Österreichs gegen Napoleon vor, welcher am 14. 11. Wien erobert hatte. Der Zar zog durch Breslau und Neisse in Richtung Brünn. Bei Austerlitz siegte Napoleon am 2. 12. 1805 über Franz I. und den Zaren. Gegen England verhängte Napoleon 1806 die so genannte Kontinentalsperre. Das bedeutete: keine Waren mehr nach Europa, unter anderem auch kein Zucker, der damals nur aus Zuckerrohr gewonnen wurde.

Seit 1801/1802 hatte auf seinem schlesischen Gut in Kunern, Kreis Wohlau ein Chemiker namens Franz Karl Achard mit der Gewinnung von Zucker aus der so genannten "schlesischen Rübe" experimentiert. Unter dem Druck von Napoleons Kontinentalsperre begann er mit der fabrikmäßigen Herstellung von Rüben-Zucker. Viele schlesische Großgrundbesitzer, auch im fruchtbaren Kreis Frankenstein, begannen da eine Rübe mit hohem Zuckergehalt zu züchten.

Die erste Zuckerfabrik entstand auf schlesischem Boden!

Der Preußen-König erklärte im August 1806 Napoleon den Krieg. Doch am 14. 10. 1806 wurde er in der Schlacht bei Jena /Auerstedt geschlagen. Niemand hatte erwartet, dass der Feind nach Schlesien vordringen könnte. Daher war die Provinz von Truppen entblößt und die Festungen wie Glatz und Silberberg waren nicht in Verteidigungszustand. Die Ausführung des vom Preußen-König genehmigten Planes zu einer allgemeinen Landesverteidigung, die Fürst Pückler entworfen hatte, wurde verhindert. Das trieb den Fürsten zum Selbstmord. Der König ernannte dann den Fürsten von Pleß zum Generalgouverneur von Schlesien. Mit dessen Vertretung betraute der König den Graf von Götzen. Die mit Napoleon verbündeten Württemberger lagen vor Breslau und ließen die Stadt beschießen. Da eine Feuersbrunst ausbrach gab es große Schäden an Kirchen und Gebäuden. Der Fürst von Pleß versuchte von Neisse aus, Breslau zu helfen. Durch Versäumnisse des Breslauer Stadtkommandanten misslang der Versuch. Da übergab im Januar 1807 der Kommandant die Festung Breslau dem Feind. Bald darauf ergab sich auch Brieg und sogar Schweidnitz. Die Stadt Neisse hielt der Belagerung noch stand.

Alles spielte sich wieder um Frankenstein herum ab. Dann verlor der Fürst von Pleß Anfang Februar 1807 den Paß von Wartha. Er ging, seine Truppen auflösend, nach Wien.

Napoleon sah sich zu der Zeit gezwungen einen Teil seiner Truppen nach Ostpreußen zu verlegen. Da wagte der neu ernannte Gouverneur von Schlesien Graf von Götzen einen neuen Verteidigungskampf. Der französische General Vandamme war von Neurode über Wartha zur Eroberung der Stadt Neisse weiter gezogen. Graf von Götzen brachte um Glatz herum ein kleines Heer zusammen. Es strömten ihm viele Freiwillige aus allen Berufsschichten zu und bewaffneten sich auf eigene Kosten. Götzens Plan war Neiße und Cosel zu entsetzen, Glatz und Silberberg zu halten. Um Cosel zu helfen, ließ er 2000 Mann Richtung Breslau vorgehen. Diese trafen aber bereits bei Kanth auf den Feind. Sie wurden zwar nicht geschlagen, doch von der feindlichen Übermacht gedrängt, suchten sie sich nach Glatz zurückzuziehen. Im März hatte der franz. Marschall Lefébre in Frankenstein sein Hauptquartier aufgeschlagen und schnitt am Paß von Wartha die Zufuhr für Glatz ab. Im Kloster Kamenz hatte Napoleons Bruder Jérome sein Hauptquartier. Diese schlugen die von Götzen nach Neisse gesandte Hilfstruppe zurück. So ohne Aussicht auf Hilfe übergab der Kommandant von Neisse nach dreimonatiger Belagerung am 16.Juni 1807 die Festung Neisse. Auch Cosel mußte sich ergeben.

Jetzt waren nur noch Glatz und Silberberg nicht vom Feind eingenommen. Über Wartha rückten Vandamme und Lefébre mit 13.000 Mann, darunter 350 französische Jäger und 300 polnische Ulanen gegen Glatz mit seinen nur 6.500 preußischen Verteidigern heran. Nach heldenhafter Verteidigung wurde am 23. und 24.Juni das preußische Lager vom Feind erstürmt, wobei sich die zum Feindesheer gehörenden Bayern und Württemberger wie rasend betrugen. Nun begann die Beschießung der Festung Glatz. In Wartha verhandelte Graf von Götzen am 24.6. mit Prinz Jérome. Dieser forderte von Graf von Götzen die Übergabe der Festung Glatz bis zum 20.Juli und Waffenstillstand. Am 25.6. wurde im Schlösschen Hassitz ein Waffenstillstand bis 26. 7. geschlossen. Jérome kehrte dann nach Frankenstein zurück.

Die Franzosen brachten von Wartha und Glatz viele gefangene preußische Soldaten nach Frankenstein. Doch auch vor Silberberg gingen die Kämpfe noch weiter. Das unterhalb der Festung liegende Städtchen wurde dabei in Flammen geschossen. In Frankenstein hörte man das Donnern der Geschütze und konnte die Feuer lodern sehen.

Da am 7.Juli 1807 in Ostpreußen, in Tilsit an der Memel, der "Friede zu Tilsit" geschlossen wurde, blieben Silberberg, Glatz und Cosel dem preußischen König erhalten. Die Ausdauer der Verteidiger in den zwei schlesischen Städten und die Bitten der Königin Luise hatten einen großen Einfluss auf den Friedensschluß. Napoleon wurde dadurch zu manchen Zugeständnissen veranlasst.

Die vergangenen Kriegsjahre 1806 und 1807 hatten den Schlesiern wieder große Leiden gebracht. Auch Frankenstein war ja für einige Zeit in der Hand der Franzosen. Die Franzosen hielten im allgemeinen gute Manneszucht, doch die Württemberger haben sich viele Bedrückungen und Erpressungen zuschulden kommen lassen. Die von Napoleons Bruder Prinz Jérome und anderen Befehlshabern aufgezwungenen Kontributionen und die Einquartierungslasten haben viele Familien und viele Ortschaften ruiniert. Die Not hörte mit dem Friedensschluss nicht auf, denn es blieben noch jahrelang 50 000 Mann mit 16 000 Pferden französische Besatzung in der Provinz. Ein Städtchen wie das nördl. Strehlen gelegene Wansen musste z.B. innerhalb von 1½ Monaten 7500 Taler Kontribution zahlen. Frankenstein wird es nicht anders ergangen sein als Napoleons Bruder Prinz Jérome in seinen Mauern weilte.

Die Notlage wurde so groß, dass die Schlesier bereit waren unter großen Opfern die Kriegsschuld schnell abzutragen, um möglichst bald die lästige Besatzung los zu werden. So hat z. B. die schlesische Kaufmannschaft durch Wechsel die Zahlung von 20 Millionen Francs gewährleistet. Endlich verließ die französische Besatzung Anfang Dezember 1808 die Provinz.

In der Friedenszeit 1807 bis 1812 kam es zu den Stein-Hardenbergschen Reformen, die sich auch auf Schlesien erstreckten.

Im Gebiet von Frankenstein wurde 1810 das Kloster Heinrichau säkularisiert und 1812 das Kloster Kamenz. Beide kamen dann zuerst in den Besitz des Hauses Oranien. Die Kirchen wurden zur Pfarrkirche.
Im Jahr 1810 forderte Napoleon rücksichtslos die gänzliche Bezahlung der preußischen Kriegsschuld. Dazu war Preußen nicht fähig. Napoleon äußerte: wenn der König nicht imstande ist zu zahlen, bleibt ihm nichts übrig, als mir Schlesien abzutreten. Der Königin Luise, die darüber eine Denkschrift abfasste, ist zu verdanken, dass der König entschieden ablehnte. Er brachte dann einen anderen Schuldentilgungsplan zur Durchführung. Die äußerst beliebte Königin Luise starb im gleichen Jahr.

Die Hoffnungen auf bessere Zeiten schwanden immer mehr. Da brachte die neu erstandene Feindschaft zwischen Napoleon und dem russischen Zaren eine Wendung. Sie führte zu den Befreiungskriegen 1813-1815. Ihnen voran ging 1812 Napoleons Zug nach Rußland. Auf dem Weg dorthin querten seine Truppen auch Niederschlesien. Am 14.9.1812 zog Napoleon in Moskau ein, das dann in Flammen aufging. Ab Oktober befand sich Napoleon auf dem Rückzug. Durch bitteren Frost und dauernde russische Angriffe erlitt seine Armee große Verluste. Graf Yorck von Wartenburg schloss mit dem zaristischen General Diebitsch, der ein geborener Schlesier war, am 30. 12. 1812 die Konvention von Tauroggen (Litauen) ab. Inzwischen war der Freiheitswille der von Napoleon unterworfenen Völker erwacht; so auch in Schlesien. Der unentschlossene König Friedrich Wilhelm III. wurde besonders durch den entschlossenen General Yorck zur Kriegserklärung gegen Frankreich gedrängt. Weil der preußische König in Berlin von Franzosen umgeben war, verlegte er seine Residenz nach Breslau.

Am 3. Februar 1813 erließ er hier den Aufruf zur Bildung freiwilliger Jäger-Korps.

In Breslau im Gasthof "Zum Goldenen Zepter" warb Major von Lützow für sein Korps. Zu diesem gehörten bald neben vielen Breslauer Studenten und Professoren auch die Dichter Theodor Körner und Eichendorff. Das berühmte Korps der "Lützower" wurde in der Kirche zu Rogau, einem Örtchen am nördlichen Fuß des Zobten, eingesegnet. Bestimmt waren auch junge Frankensteiner darunter.

Am 10. März, dem Geburtstag der verstorbenen Königin Luise, stiftete Friedrich Wilhelm III. in Breslau das "Eiserne Kreuz".

Am 16. März erklärte der König von Breslau aus an Napoleon den Krieg.

Am folgenden Tag, dem 17. März 1813, verlas König Friedrich Wilhelm III. vom Breslauer Schloß den berühmten "Aufruf an mein Volk"
Gleichzeitig befahl der König die Bildung einer Landwehr. Voller Begeisterung strömten die jungen Männer nach Breslau um sich anwerben zu lassen, auch aus Frankenstein, und auch die Frankensteiner werden in der allgemeinen Begeisterung Spargeld und Schmuck geopfert haben unter dem Motto: "Gold gab ich für Eisen".

Am 21. April war es so weit: Zum Schutz des Landes bot der König den "allgemeinen Landsturm" auf. Das ganze Volk sollte sich gegen den anrückenden Feind wehren. Am 31. Mai kam es zu einem Zusammenstoß mit dem Feind bei Breslau, dessen Besetzung nicht verhindert werden konnte. Am 4. Juni kam es zu einem Waffenstillstand, der bis zum 20. Juli hielt. Inzwischen wurde am 27.06.1813 in Frankensteins Nachbarstadt Reichenbach der Koalitionsvertrag zwischen Preußen, Österreich und Russland gegen Napoleon abgeschlossen. Auch Zar Alexander I. von Rußland weilte in Frankensteins Mauern. Dann begann der Sommerfeldzug. Von den drei großen Heeren gegen Napoleon hatte die "schlesische Armee" ihre Aufstellung in Schlesien. Das preußische Korps stand unter General Blücher, das russische unter Sacken und Langeron. Blücher hatte den Oberbefehl, sein Generalstabs-Chef war Gneisenau. Am 20. August hatte man die Franzosen über den Fluss Bober zurückgedrängt. Da nahte Napoleon selbst mit einer Übermacht und konnte am 23.August Liegnitz besetzen. Aber die von Böhmen nach Sachsen vordringende Hauptarmee der Verbündeten zwang Napoleon sich nach Sachsen zu wenden.

Napoleon ließ einen Teil seiner Armee unter General Macdonald in Schlesien zurück. Gegen diese rückte am 25. 8. 1813 Blücher vor. Einen Tag später am 26.08.1813 kam es zu der für Blücher so siegreichen "Schlacht an der Katzbach". Am 1. September standen die siegreichen Verbündeten am Flüsschen Queis und feierten hier ihr Siegesfest.

Vom 16. 10 bis zum 19. 10. 1813 tobte die Völkerschlacht bei Leipzig. In der Neujahrsnacht 1813/1814 trieb Blücher mit seinen Schlesiern die Franzosen bei Kaub über den Rhein. Sicher waren da auch Söhne von Frankensteinern dabei. "Marschall Vorwärts" Blücher besaß in Frankenstein ein Haus in der Breslauer Straße. Für seine Verdienste um Preußen erhielt Blücher 1814 Schloß und Gut Krieblowitz (später Blüchersruh) süd-westlich von Breslau. Dort starb er am 12. 9. 1819 und fand auch da im Mausoleum seine Ruhestätte.

Napoleon wurde am 6. 4. 1814 zur Abdankung gezwungen und musste ins Exil auf die Insel Elba.

Es gab zwar noch kein Radio, aber die Nachrichtenverbindungen in Preußen funktionierten gut und es gab schon seit 1742 in Breslau die "Schlesische Zeitung". Friedrich d. Gr. hatte bereits die Pressefreiheit garantiert! So wussten die Frankensteiner Zeitungsleser von all diesen Ereignissen und erfuhren auch von dem Kongreß, der jetzt in Wien tagte.

Der Kongreß in Wien wurde vom 18. 9. 1814 - 9. 6. 1815 unter der Leitung von Metternich, einem Rheinländer, zur Befriedung Europas abgehalten. Es wurden z. B. die Vereinigten Niederlande geschaffen, Sachsen und Warschau getrennt und der Sklavenhandel begrenzt. Freiherr vom Stein versuchte Deutschland zu einen. Das scheiterte. Als Notlösung entstand "Der deutsche Bund".

In Schlesien gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Raum Frankenstein war 1812, nach dem das Kloster in Kamenz (1810) aufgehoben worden war, der Klosterbesitz an die preußische Prinzessin Friederike Louise Wilhelmine, die spätere Königin der Niederlande, gegangen. Im Jahr 1817 mussten die Frankensteiner erleben, wie die Klostergebäude in Kamenz abbrannten. Die Kirche konnte danach wieder hergerichtet werden, aber die Gebäude mussten bis auf den Prälatenflügel abgerissen werden.

Seit 1813 war Frankensteins Dominikanerkirche Zum Hl .Kreuz bereits evangelisch.

1825 hatte Frankenstein 4.985 Einwohner. Die Stadt Frankenstein hatte, dank des fruchtbaren Bodens im Kreis, einen großen Getreidemarkt, so spielte auch das Mühlengewerbe eine Rolle. Der immer blühende Woll- und Tuchhandel aber ging zurück. Das technische Zeitalter zog ein und brachte den mechanischen Webstuhl. Die Ausbeutung mit Hungerlöhnen durch die "Fabrikanten" brachte die Weber in den Dörfern am Eulengebirge in größte Not. Deren Elend wirkte sich auch auf Frankenstein aus, war es doch immer auch eine Stadt des Tuch- und Leinenhandels gewesen. Im Juni 1844 kam es in Peterswaldau am Eulengebirge zum Aufstand der Weber. Was Gerhart Hauptmann später zu seinem Drama "Die Weber" inspirierte. Viele Menschen wanderten damals nach Amerika aus, auch aus dem Frankensteiner Land.

In Kamenz war 1838 mit dem Bau eines großen Schlosses begonnen worden. Die neue Besitzerin der ehemaligen Klostergüter Kamenz Prinzessin Marianne der Niederlande, Gemahlin des Prinzen Albrecht von Preußen, ließ nach Plänen des großen Baumeisters Karl Schinkel den Bau durchführen. Davon profitierten auch Handwerker aus Frankenstein.

Am 17. Juni 1840 war König Friedrich Wilhelm III. gestorben, sein Tod erregte überall in Schlesien große Trauer.

Es folgte ihm sein Sohn Friedrich Wilhelm IV.

Wegen vieler nicht eingehaltener Versprechen kam es zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Es kam zu Demonstrationen auch in Breslau. Dort beteiligten sich sogar Professoren der Universität. Unter ihnen befand sich auch der Dichter August Hr. H. Hoffmann von Fallersleben, der Dichter der uns das "Lied der Deutschen" schenkte: Deutschland, Deutschland über alles.......
Wegen der Herausgabe seiner "Unpolitischen Lieder" verlor er 1842 sein Breslauer Amt.

Im Februar 1848 kommt es in Paris zu einer Revolution, die sich bald auf die anderen Länder Europas ausbreitete. Am 6. März kam es in Breslaus Straßen zu ersten Aufläufen, später vom 18. - 21. März gab Unruhen in Berlin. In den schlesischen Städten, außer Schweidnitz blieb es verhältnismäßig ruhig, dagegen kam es auf dem Land zu Bauernrevolten.

Am 1. Mai wurden in Berlin vom Volke die Wahlen für das "Deutsche Parlament" vorgenommen. Das sollte in Frankfurt/M. zusammentreten und Deutschland eine neue Verfassung geben. Außerdem wurde am 1. Mai in Berlin vom Volke die "Preußische Nationalversammlung" gewählt. Nach dem Zusammentritt dieser Versammlungen hörten in Schlesien die Unruhen auf. Die Nationalversammlung tagte 1848/49 in der Paulskirche in Frankfurt/M.

Im Jahr 1851 wird der preußische Legationsrat Otto von Bismarck Gesandter bei der Nationalversammlung in Frankfurt.

Am 11.04.1848 gab es eine Erhebung der Polen in Posen, nach der der preußische Bevollmächtigte den Polen eine "nationale Reorganisation" zusagte.

Im Juni 1848 fand in Prag, nicht sehr beachtet, der erste Pan-Slavisten Kongreß statt. Daran teilnehmende Polen forderten dort bereits eine ethnische Trennlinie von Triest an der Adria, über Dresden bis Stettin!

Wer hätte gedacht, dass das 100 Jahre später Wirklichkeit werden sollte?

Vielleicht hörte und las manch ein Frankensteiner von zwei Herren, Marx und Engels, die das "Kommunistische Manifest" mit der Forderung "Proletarier aller Länder vereinigt euch" verfasst hatten.

Auf Grund der neuen, konstitutionellen Verfassung, wurde für ganz Preußen am 11. März 1850 eine neue Gemeindeordnung erlassen, die auch für Schlesien große Bedeutung gewann. So wurde die Selbständigkeit der städtischen Behörden etwas eingeschränkt, aber Bürger welche mindestens ein Jahr in der Stadt wohnten und ein bestimmtes Einkommen hatten, erhielten Wahlrecht.

Die Stadt Frankenstein hatte sich inzwischen längst vor ihre Stadtmauern ausgedehnt.

Aber es gab unheilvolle Ereignisse. Immer gab es schon Überschwemmungen an der Neisse und auch am Pausebach in Frankenstein. So in den Jahren 1827-33 nicht weniger als fünf. Besonders schlimm wurde es 1847 und 1854. Misswuchs und Teuerung waren die Folge. Eine Hungersnot brach aus. Die Regierung verbot sogar die Ausfuhr von Kartoffeln um ihr zu begegnen. Außerdem war schon in den Jahren 1831-33 drei mal die Cholera in Schlesien ausgebrochen, in den Jahren 1848, 1849 und 1853 wiederholte sich diese Heimsuchung.

Trotzdem ging es langsam aufwärts. Durch das Gesetz vom 14.04.1856 erhielten die Kreise das Recht der Selbstverwaltung. So auch der Kreis Frankenstein.

Da kam es 1858 in Frankenstein zu einer besonders großen Katastrophe.

In der Nacht zu Sonnabend den 24. April 1858 hatte es einen Frühjahrssturm gegeben, der gegen Morgen abflaute, aber mittags zu einem Orkan anschwoll. Gegen zwei Uhr mittags ertönte vom Turm des Rathauses das Feuerhorn. In der Silbergasse war ein Brand ausgebrochen. Wegen der vorangegangenen langen Dürre fehlte Löschwasser. Es kam zu dem großen Brand, dem fast die ganze Stadt zum Opfer fiel. Die Kirche St. Anna, der größte Teil des "schiefen" Glockenturmes und Teile der Stadtmauer blieben erhalten. Der "schiefe" Turm wurde im oberen Teil zerstört. Dieser Teil wurde 1860 mit dem geraden Mauerwerk bis zu 34 m Höhe neu erbaut und erhielt die Zinnenkrone.

In großer Solidarität wurden 1858 dann in ganz Preußen, sogar mit Aufrufen in den Zeitungen, für die durch den Brand verarmte, obdachlos gewordene Bevölkerung von Frankenstein Spenden gesammelt.

Langsam konnten die Bürger mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser, Werkstätten, Geschäfte beginnen. Von der Armut geboten war alles nur in sehr bescheidenem Maße möglich, die Schönheit der einstigen Häuser war dahin. Nach vielem Ringen wegen der knappen Finanzen, entschloss sich der Rat der Stadt aber dann doch wenigstens zum Neubau eines schönen Rathauses. Es sollte dem alten möglichst ähnlich sein. So begann 1862 der Bau des neugotischen Rathauses mit seinem schönen, schlanken 75 m hohen Turm. 1864 war der Bau beendet.

Das Unglücksjahr 1858 bescherte der Stadt aber den Eisenbahnanschluß nach Reichenbach. Die Reichenbacher Straße wurde gebaut. Die uralte Heerstraße nach Breslau, an der das Brüderkloster mit seiner Kirche und auch die Kaserne (seit 1774) lagen, war bereits gut ausgebaut. Von ihr nord-westlich abbiegend wurde die Bahnhofsstraße angelegt, an der sich später wohlhabende Bürger schöne Häuser errichteten. Frankenstein bekam einen Bahnhof.

Am 02.01.1861 war König Friedrich Wilhelm IV., dem Otto von Bismarck nahe gestanden hatte, gestorben. Wegen seiner Krankheit war der König schon seit 1857 von seinem Bruder Wilhelm als Regent vertreten worden. Dieser war nach des Bruders Tod als Wilhelm I. König von Preußen geworden. Am 23.09.1862 ernannte er Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten und bald darauf auch zum Außenminister.

1863 stellte der Breslauer Ferdinand Lassalle in Berlin ein sozialistisches Programm auf und begründete so die deutsche Sozialdemokratie.

Der dänische Krieg 1864 hat die Stadt Frankenstein kaum berührt und der Krieg von 1866 berührte sie nur sofern, dass es wieder Durchzüge von preußischen Truppen gab, die an die österreichische Grenze bei Bad Kudowa nach Lewin verlegt wurden.

Seit 1801, als Achard auf seinem Gut in Kunern die Fabrikation von Rübenzucker begann, hatte sich von Schlesien aus der Anbau von Zuckerrüben über die Magdeburger Börde bis nach Nord-Frankreich und im Osten bis in die Ukraine verbreitet. Die fruchtbaren Böden um Frankenstein eigneten sich ganz besonders zum Anbau der Zuckerrübe. Er hatte sich stark ausgeweitet. So wurde in Zadel eine Zuckerfabrik gebaut.

1867 war in Paris die Weltausstellung. Da erhielt der Rittergutsbesitzer Dittrich aus Seitendorf, Kreis Frankenstein, den 1. Preis für die besondere Weizenqualität unter der Bezeichnung "Original Frankensteiner Weißweizen".
Übrigens, jeden Sommer kamen zur Erntezeit aus Polen die Saisonarbeiter. Da es noch keine Maschinen gab, wurden die Polen zum Mähen des Getreides mit der Sense gebraucht.

Vom deutsch-französischen Krieg 1870/71 blieb Schlesien unberührt. In der Schlacht beri Sedan am 01.09.1870 wurden die Franzosen geschlagen, Napoleon III. am Tag darauf gefangen genommen. Überall, auch in Frankenstein, löste dieser Sieg großen Jubel aus. Auf die schlesischen Festungen, wie auf die Festung in Silberberg, kamen zahlreiche französische Kriegsgefangene. Der Tag von Sedan wurde künftig zu einem Feiertag. Am 18. Januar des Jahres 1871 fand im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles die Gründung des 2.Deutschen Reiches mit der Kaiserproklamation statt.

Im Jahr 1873 wurde in Kamenz das Hohenzollern-Schloß fertig, und am 11. Mai wurde die Eisenbahnlinie von Münsterberg über Kamenz nach Wartha dem Verkehr übergeben.

Nördlich von Frankenstein war die Anschlußlinie Kamenz-Frankenstein im Bau. Sie wurde Mitte Juni 1874 fertig. Frankenstein war über die Landeshauptstadt Breslau verkehrsmäßig durch die Eisenbahn bis nach Berlin verbunden.

Ab 2. 9. 1876 erschien in Frankenstein eine eigene Zeitung: die Frankenstein-Münsterberger Zeitung. Franz Huch aus Neisse hatte im Sommer in der Baderstr. 5 eine Druckerei eingerichtet. Später lag sie neben dem Schiefen Turm in der Kirchstr. 2. Franz Huch kaufte dann 1888 für seinen Verlag das Grundstück "Bad Schönbrunn" in der Silberberger Vorstadt.

1880 wurde in Köln am Rhein der Dom fertig, an dem bis zu seinem Tod 1861 der Schlesier Ernst Friedrich Zwirner als Dombaumeister gewirkt hatte. Zur Finanzierung des Kölner Dombaues hatten auch die Schlesier und mancher Frankensteiner ihr Scherflein beigetragen.

In Frankenstein baute man 1886 das neue Postamt an der Ecke Breslauer Straße (später umbenannt in Hindenburgstraße). Eine Postkarte von Silberberg ins ebenfalls preußische Krefeld brauchte damals nur einen Tag!

1888 starb Kaiser Wilhelm I., es kam die kurze Zwischenregierung von Friedrich III. und im gleichen Jahr folgte Wilhelm II. als deutscher Kaiser. Es kam zu Konflikten mit Bismarck. Der um den Staat hoch verdiente Otto von Bismarck wurde am 20.03.1890 vom Kaiser entlassen.

In Frankenstein gab es politische Parteien. Die Wähler waren hier aber mehrheitlich konservativ als sozialistisch eingestellt.

Im Januar 1891 starb in Westdeutschland ein Techniker, Nikolaus August Otto. Er hatte einen Motor erfunden, der bald die ganze Welt erobern würde, auch Frankenstein.

In Frankenstein wurde das Schulwesen ausgebaut, es gab Gaslicht und im neu erschlossenen Vorland siedelten sich verschiedene Industrien an. Frankenstein wurde eine moderne Stadt.

So konnte das neue Jahrhundert nahen.

Chronik Teil 8