BildHaus (Bäckerei) Dinter

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Zwischen Frankenstein und Silberberg, an der alten Passstraße nach Böhmen, lagen zwei Dörfer, die so ineinander übergingen, dass der Fremdling dachte, er fahre oder ginge durch ein Dorf. Eines dieser Dörfer, das auf Silberberg zu gelegene, war Schönwalde, das größte im Fürstentum, wie es 1785 vermerkt wurde.

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Über den Ort könnte man viel schreiben. Vieles, vor allem aus der Frühzeit ist uns erhalten geblieben. Dann aber flossen die Nachrichten spärlicher. Aber Schönwalde hatte in Schlesien einen Namen. Mit dem Ort war der traditionsreiche Saatenritt am Ostermontag eng verbunden, den man sonst in Schlesien kaum antraf.

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Wo sich heute das Dorf erstreckt, war früher üppiges Waldgebiet. Der Gebirgswald erstreckte sich ja bis Tarnau und Zadel hin. Herzog Heinrich 1. machte den Beginn zur Urbarmachung und Umformung des Gebietes durch deutschrechtliche Siedlungen. 1221 setzte er den Anfang durch den Aussetzungsauftrag für Bautze im südlich gelegenen Teil des späteren Schönwalde. Er bestimmte 1239/1240, dass durch die Vereinigung der beiden Grenzwälder Rudno und Budsin ein deutscher Ort errichtet werden sollte.

Durch den Mongoleneinfall verzögerte sich aber dieser Auftrag. Graf Peter Stosso im benachbarten Peterwitz nutzte diese Chance, bemächtigte sich der beiden Wälder und übergab sie seinem in Peterwitz eingesetzten Scholzen Sibods.

Der wiederum ergriff die Initiative und legte den Grundstein für eine neue deutsche Siedlung, die wegen des schönen Waldes Schönwald heißen sollte. Die Gründung machte kaum Fortschritte; denn Abt Bodo von Heinrichau kämpfte um die Rückgabe der Wälder und damit auch um das Gebiet, in dem Schönwalde lag. 1254 wurden dann die Landstriche dem Kloster zugesprochen und der Aufbau begann. Das für die Dorfgemarkung bestimmte Land umfasste 100 große Waldhufen = 4500 schlesische Morgen.

Als 1263 Bischof Thomas von Breslau die Heinrichauer Zehntprivilegien bestätigte, nannte er »cefitrurn magnus nianus in villa Sconwald, in qua include sunt villuie parve Busidov, Rudno, villa Scriptoris. « Diese Stelle zeigt, dass der Siedlungsauftrag über die uns bekannte Gemarkung hinausging. Bautze und Schreibersdorf blieben in den Anfängen stecken.

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Wenig später machte die Kirche von sich Reden. Sie trat mit ihrem Pfarrer Hermannus de Soniwalt 1283 in Erscheinung, als ihm am 16. Juni der Bistums-official nach einem Streit mit dem Peterwitzer Pfarrer Volcmar 10 Hufen zugesprochen wurden. Leider fließen dann die Nachrichten über das kirchliche Leben oder über den Bau einer Kirche sehr spärlich. Von 1600 ab existiert aber eine ziemlich lückenlose Liste der Pfarrer, die in Schönwalde ihren Dienst versahen.

Am 12. März 1675 brannten Pfarrhaus und Scholtisei ab. Die Scholtisei wurde vom Stift 1344 mit 2 Hufen, zwei Mühlen nebst einer Mühle in Schreibersdorf und Bautze erworben. Als im Jahre 1810 das Stift Heinrichau aufgehoben wurde, nahm der Staat auch die zur Pfarrei seit ihrer Gründung gehörige Widmut von 106 Morgen Ackerlandes und 12 Morgen Wiese und wies bei der Neudotation der Pfarrei im Jahre 1817 dem Pfarrer ein Gehalt von 400 Thalern (inklusive Fundation und Stolgebühren) an. Für den Unterhalt eines Kaplans wurden 186 Thaler und 20 Silbergroschen ausgesetzt, wofür der Kaplan aber 192 hl. Messen unentgeltlich zu lesen hatte. Um das Minimum für den Pfarrer aufzubringen, zahlte der Fiskus jährlich 107 Thaler Dotationszuschuß.

Die Kirche war dem hl. Laurentius geweiht. Eingepfarrt waren die Gemeinden Herzogswalde mit einer Kapelle, die dem hl. Sebastian geweiht war, Hartha und Raschgrund. Die uns bekannte Kirche wurde im 17. Jahrhundert nach der Reformation erbaut, 1923 neu ausgemalt. Das erste Kirchenbuch wurde wahrscheinlich zur gleichen Zeit angelegt. Das Taufbuch stammte aus dem Jahre 1649, das Geburten- und Sterbebuch aus dem Jahre 1710.

Interessant dürfte auch das Kommunikantenbuch der Gemeinde sein, das 1814 eingerichtet wurde und deren Eintragungen nur bis zum 20. Juni 1871 gehen. Warum das Buch nicht weitergeführt wurde, konnte leider nicht ermittelt werden. Ich freue mich, dass ich hier wenigstens eine Seite dieses Buches abbilden kann. Das Original befindet sich im Heimatmuseum zu Wiedenbrück.

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Während des Baues der Festung Silberberg wohnte König Friedrich 11. einige Zeit in Schönwalde. Die Gemeinde Schönwalde hatte zu dem Bau viel durch Leistungen der Hand- und Spanndienste beigetragen. In Oberschönwalde standen damals mehrere Kalköfen. Zur Zeit der Belagerung der Festung 1807, war das Oberdorf vollständig in Brand geschossen, das Unterdorf vom Feinde besetzt. Die Einwohner wurden teilweise misshandelt und vertrieben. Auf dem Grundstück des Gutsbesit­zers Welzel stand eine Säule zur Erinnerung an die Tötung des damaligen Besit­zers, der zugleich Gemeindevorsteher war. Die Säule wurde von seinem Bruder, dem letzten Heinrichauer Abt Markus Welzel, errichtet. Für die großen Verdienste der Schönwälder um die Verteidigung von Silberberg erhielt der Militärverein anlässlich der Jahrhundertfeier 1907 von Kaiser Wilhelm 11. eine kostbare Fahne.

Das Schloss war eine Propstei von Heinrichau.

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