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(polnisch Wlodzienin), Dorf im Westen von Oberschlesien,
im Kreis Leobschütz 1141 Einwohner (1912)


Ortsbeschreibung/Aus der Geschichte

Die Herrschaft Bladen, 1 1/4 Meile südlich von Leobschütz, gehört schon seit 1534 dem gräflichen Hause von Nayhaus-Cormons, gegenwärtig dem Rittmeister a. D. Reichsgrafen von Nayhaus.

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Die Gemarkung Bladen zerfällt in Rittergut und Marktflecken.
Der Marktflecken besteht aus 26 Bauer-, 28 Gärtner- und 170 Häuslerstellen und einem bedeutenden Grundbesitze; der Boden ist gut und wird mit allerlei Feldfrüchten bebaut. Der Viehbestand besteht aus 132 Pferden, 602 Stück Rindvieh und 350 unveredelten Schafen. Die EInwohner leben fast nur vom Ertrage der Landwirtschaft. Eine Innung der Tischler, Drechsler, Stellmacher, Schmiede, Schuhmacher, Sattler und Schneider ist 1859 von 15 Meistern gegründet worden. An Steuern zahlt die Gemeinde jährlich 1242 Thlr. Grund- und Haus-, 30 Thlr. Einkommen-, 1077 Thlr. Klassen- und 183 Thlr. Gewerbesteuer. Eine Wassermühle und zwei Windmühlen sind am Orte. In Bladen ist eine schon alte katholische Pfarrkirche, eine Begräbniskirche zu St. Nikolaus und eine Schule. Die Pfarrkirche bestand schon vor der Reformation, und war damals bereits von Stein erbaut, hatte aber kein Gewölbe; der damalige Kirchenpatron war Baron Julius von Nayhaus. Ebenso wird die Begräbniskirche schon im Jahre 1672 als schön beschrieben und Schloßkirche genannt; in derselben befinden sich noch heute Grabdenkmale, welche aus dem 15. Jahrhundert herstammen. Die Schule soll ebenfalls schon im Jahre 1848 bestanden haben; an derselben sind drei Lehrer angestellt. Eingepfarrt sind nach Bladen Krug und Josephsthal. Bladen wird von der von Leobschütz nach Troppau führenden Hauptstraße durchschnitten und ist mit Ratibor und Neustadt durch gewöhnliche Landstraßen verbunden. Das Areals des Ritterguts besteht in 754 Morgen ehemaligen Teich und Waldbodens; die übrigen Ländereien wurden im Jahre 1783 an die Gemeinde parzellenweise verkauft. Zum Rittergut gehört das Vorwerk Leopoldsmühle. Bierbrauerei. Der Viehstand besteht in 16 Pferden, 24 Stück Rindvieh und 800 hoch veredelten Schafen.

(aus : Felix Triest, Topographisches Handbuch von Oberschlesien, 1864/65)
 

Zu den ursprünglichen Großpfarreien gehörte die Kirchengemeinde Bladen mit einer ansehnlichen Pfarrwidmut. Sie umfaßte in den früheren Jahrhunderten die Dörfer Bladen, Poßnitz, Hennerwitz, Löwitz, Sauerwitz und Krug. 1801 wurden Poßnitz, 1802 Sauerwitz und 1845 Löwitz selbständige Pfarrorte. Hennerwitz kam als Filialkirche zu Poßnitz, während die Gemeinde Krug bis heute bei Bladen verblieb. Die heute mitten im Dorfe stehende, der Hl. Dreifaltigkeit geweihte Pfarrkirche, war in den Jahren der deutschen Kolonisation eine kleine Holzkirche. In diesen Jahren errichtete die Gemeinde einen gemauerten Turm, der jedoch wegen Schadhaftigkeit 1817 abgetragen wurde und wieder neu gebaut werden mußte. In der 1772 angelegten Gruft ruhen die ehemaligen Pfarrer von Bladen. Die kleine, unansehnliche Kirche erhielt erst 1903 ihre heutige Gestalt unter dem opferwilligen Pfarrer Reske. Durch einen großen Erweiterungsbau und teilweisen Umbau hat das Gotteshaus die Form eines Kreuzes erhalten. In neuester Zeit erhielt das Innere der Kirche eine recht würdige Verschönerung. Im zweiten Weltkrieg tobten um Bladen schwere Kämpfe, die das Dorf zum Teil und die Pfarrkirche vollständig in Trümmer legten. Auch die Nikolauskirche wurde zerstört. Diese auf einer Anhöhe liegende, das weite Trojatal beherrschende Kirche, wurde wahrscheinlich zu Anfang des 15. Jahrhunderts auf der von Leobschütz nach Troppau fahrenden Verkehrs- und Handelsstraße zu Ehren des hl. Nikolaus, des Schutzheiligen der Kaufleute, aus Holz errichtet. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde sie von einem auf der mächtigen Burg herrschenden Ritter als Steinkirche ausgebaut und diente als Begräbnisstätte der Grafengeschlechter von Bladen. Mehrere eingemauerte Grabsteine mit Rittern in Haustracht und unterirdische Grüfte erinnern heute noch an alte, hier einst ansässige Adelsgeschlechter. Aber noch älter als die erwähnten Grabdenkmäler müssen die bis ins 19. Jahrhundert in der Nikolauskirche hängenden Ritterlanzen gewesen sein, welche die Ritter von Bladen ebenso gut in den Kreuzzügen wie bei den Ritterturnieren gebraucht haben können. Der Baustil der Nikolauskirche ist gotisch. 1840 wurde sie erweitert und gründlich instand gesetzt. An allen Hochfesten wurde in ihr von jeher der Hauptgottesdienst gehalten und an den Wochentagen Begräbnismessen gelesen, die für die auf dem Nikolausfriedhof beerdigten Verstorbenen gestiftet wurden. Zur Pfarrgemeinde Bladen gehört noch die Kolonie Josefstal, die nur wenige Häuser zählt und die schon erwähnte Gemeinde Krug. Diese Gemeinde hat nur eine kleine Kapelle, aber eine eigene Schule. Das Rittergut Krug erwarb im Jahre 1916 der Fürsterzbischöfliche  Kommissarius Joseph Martin Nathan für seine Anstalten. Hier wurde ein großes Haus für arbeitsfähige Geisteskranke errichtet. Das Gut umfaßt 713 Morgen Ackerland. Es lieferte nicht nur einen Teil der von den Anstalten benötigten Lebensmittel, sondern diente auch zur Erprobung des sogenannten Arbeitsheilverfahrens, auf das in der modernen Irrenpflege großes Gewicht gelegt wird.

(Quelle : "Leobschützer Heimatbuch")