Voigtsdorf

Einiges über Voigtsdorf ( von R. Müller) Nur wenigen Heimatvertriebenen ist die Schönheit der Kaiserswaldauer, Voigtsdorfer, Gotschdorfer Berge bekannt, von wo man hinabschaut in das Hirschberger Tal und hinüber nach dem Kamm des Riesengebirges. In der Mitte des Hirschberger Tales liegt das Dorf Voigtsdorf mit seiner weithin sichtbaren kath. Kirche.
Die Gemarkung Voigtsdorf hat eine Größe von über 5 000 Morgen und bestand aus dem herrschaftlichen Vorwerk, 30 Bauerngütern und ebensoviel kleinen Besitzungen. Die drei größten Bauernhöfe waren die Scholtisei mit über 230 Morgen, das Schustersche Bauerngut im Oberdorf früher 300 Morgen groß und das Gottwaldsche Bauerngut im Niederdorf, das früher 240 Morgen groß war. Die Mehrzahl der Einwohner von Voigtsdorf betrieb in früheren Zeiten die Weberei und noch bis zum Anfang dieses Jahrhunderts klapperten in manchen Häusern die Webstühle. Auch gab es bis nach Mitte des verg. Jahrhunderts in Voigtsdorf viele Tischler. Sie stellten in der Hauptsache Kästchen her, Nähkästchen, Schmuckkästchen und dergleichen. Diese fein poliert und mit Bildern versehen, wurden verschickt und fanden guten Absatz. Die Bilder für diese Kästchen wurden in der von Ehrenfried Müller erbauten, später Wiesnerschen Steindruckerei hergestellt Ehrenfried Müller war auch der Gründer des früher weit bekannten Spar- und Vorschußvereins von Voigtsdorf.
Zwei Familiennamen waren in Voigtsdorf im 18. Jahrhundert besonders stark vertreten, das waren die Namen Besser und Wennrich.
Der Name Besser war besonders unter den Bauern sehr vertreten. So gab es zu einer Zeit 7 Bauern Namens Besser und auch der Besserberg hat dadurch seinen Namen erhalten. Auf dem Besserschen Bauerngute an der Straße nach Kaiserswaldau wurde im 17. Jahrhundert Erz gegraben. Dieses wurde nach Kupferberg gefahren wo es geschmolzen wurde.
Über einen Großbrand im Mitteldorfe wird in den Akten von Voigtsdorf berichtet und auch über das tragische Ende eines Voigtsdorfers: Am 10. Mai 1603 wurde Mathäus Hübner in Hermsdorf wegen Ehebruch mit dem Schwert gerichtet.
Namen in Voigtsdorf amtierender evangelischer Geistlicher waren: Sommer, Raschke, Lang, Bohlmann, und Zeller. Pastor Sommer in der Zeit um 1840 war ein besonders eifriger Prediger, seine Gottesdienste dauerten gewöhnlich 3 Stunden. In ihnen brachte er auch öfters drastische Beispiele. Einmal, man hatte Pflaumen aus seinem Garten gestohlen, predigte er: „Ich weiß sehr wohl, wer mir die Pflaumen gestohlen hat, aber es ist besser man schweigt, denn es ist besser.“ Es gab viele namens Besser. Er machte auch Armbewegungen und dabei schlug er einmal ein Stück von der Kanzelverzierung ab, mit den Worten: „Ein morsches Stück Holz“, tobte er weiter.
In Voigtsdorf amtierende Pädagogen waren: Mescheder, Fröhlich, Heumann, Röhricht, Weise, Schott, Wolf und die katholischen Kantoren Helm und Hetzold. Kantor Mescheder um 1840, war ein gebürtiger Voigtsdorfer und das arme Dorfschulmeisterlein spielte auch bei Tanzmusiken mit auf. Kantor Fröhlich stammte aus Krommenau, er war ein besonders musikbegabter Mann und von ihnen waren die meisten in Voigtsdorf von bekannten Musikanten ausgebildet worden. Der leider zu früh verstorbene Kantor Weise stammte aus Seifershau. In Voigtsdorf gab es immer eine gute Musikkapelle, unter dem Kapellmeister Hainke bestand eine Schalmeienkapelle. Diese Schalmeien wurden von einem Tischler Großmann hergestellt, die Baßschalmeien waren so lang, daß sie beim Laufen nicht gehalten werden konnten, sie wurden dem Vordermann auf die Schulter gelegt. Unter dem Namen „Hirtenkapelle aus dem Riesengebirge“ nahm diese Kapelle an einem Musikfest in Dresden teil und fand dort reichen Beifall. Besonders ein reicher Engländer interessierte sich für diese Kapelle und wollte die Voigtsdorfer Musiker mit nach England nehmen, aber diese brachten nicht den Mut für die Reise nach England auf.
Nach dem Kriege von 1906/07 hieß es, daß ein Batl. Franzosen in Voigtsdorf im Quartier lag. Es waren aber keine Franzosen, sondern Bayern und es sollen auch Nachkommen von diesem Bataillon in Voigtsdorf gelebt haben.
Eine Chance, die die Voigtsdorfer nicht genützt hatten, bestand darin: Voigtsdorf gehörte dem Kloster in Warmbrunn, das Kloster Warmbrunn war eine Abzweigung des Koster Grüssau. Im Jahre 1810 wurde das Kloster in Warmbrunn aufgelöst und den Voigtsdorfern war nun Gelegenheit gegeben, sich für eine sehr niedrige Summe von seinen Grundlasten freizukaufen. Die Gemeinde Voigtsdorf wäre dadurch in den Besitz des Vorwerkes und des Neugräflichen Waldes hinter Hartenberg gekommen. Wohl aber wegen der damals herrschenden Geldknappheit hatten es die Voigtsdorfer unterlassen und so kam Voigtsdorf unter die Herrschaft der Schaffgotsch.
Meine Familie war die älteste Bauernfamilie von Voigtsdorf. Über 300 Jahre ist die Familie Müller auf dem Bauerngute im Niederdorfe ansässig gewesen. Der erste Besitzer in der Zeit des dreißigjährigen Krieges von 1617 - 1648 hieß Martin Müller und der letzte hieß ebenfalls Martin Müller. Herbert Müller fiel im ersten Weltkrieg, mein Vater Heinrich Müller starb 1951 fast 90 Jahre alt in Guben-Reichenbach, wo er bei seiner Tochter wohnte. Die drei Söhne von Martin Müller kehrten aus dem Kriege heim, einer von ihnen lebt in K. , die Tochter im S. Unser einziger Sohn Herbert Müller fiel als Fallschirmjäger auf Kreta. Der Bruder meines Vaters Reinhold Müller lebt in H., der letzte Sohn aus dieser Familie Erich Müller war Kriegsbeschädigter und wurde 1945 in Alt-Kemnitz von den Polen erschossen.

Entnommen aus „Schles.Bergwacht“, SB57/N20/S349