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"Umsiedlung und Vertreibung können niemals die endgültige Antwort auf das Leid der davon betroffenen Menschen sein.
Sie haben ein Recht darauf, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, heimzukehren in ihr Geburtsland mit seiner nationalen Souveränität, seiner Unabhängigkeit und Selbstbestimmung."

Schlesien wurde durch deutsche Siedler größtenteils im Zeitraum zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert kolonisiert, als die Adeligen, Fürstbischöfe und andere schlesische Herrscher deutsche Siedler anwarben. Der wichtigste schlesische Herrscher im Mittelalter war Herzog Heinrich I. von Schlesien, der mit Hedwig von Andechs-Meran (+1243) verheiratet war. Hedwig von Andechs-Meran (die Heilige Hedwig ) wurde im Jahre 1267 heilig gesprochen und ist bis heute die schlesische Schutzheilige. Es war der Verdienst von Heinrich I., dass die Kolonisation Schlesiens unter deutschem Recht mit Siedlern aus den deutschen Ländern stattfand. Unter seiner Herrschaft erhielten alte slawische Marktorte den Status deutscher Städte mit deutschem Recht. Zur gleichen Zeit wurden sowohl neue deutsche Städte mit deutschem Recht gegründet, als auch Dörfer und andere Wohnplätze. Am Ende des 13. Jahrhunderts umfasste Schlesien nahezu nur deutsche Siedlungen, und das ganze Land wurde nach deutschem Recht verwaltet.

Die alten deutschen Städte in Schlesien haben alle den gleichen Grundriss. In der Mitte der Stadt ist ein quadratischer oder rechteckiger Platz angelegt, genannt der "Ring". Die Strassen verlaufen alle in Richtung der Marktseiten geradeaus zu den Grenzen der Stadt oder zu den Stadttoren. Kleinere Querstrassen verbinden die Hauptstrassen, so dass der Grundriss der Städte aussieht wie ein Schachbrett. Die Kirche wurde etwas entfernt vom Markt gebaut, war aber mit ihm verbunden durch eine kleine Gasse. Dadurch konnten die Geräusche des Marktes den Gottesdienst nicht stören.

Die Dörfer bekamen größtenteils den gleichen Grundriss, den die Siedler aus ihren alten Heimatorten kannten. Vielfach findet man in Schlesien Waldhufendörfer oder Straßendörfer. Ein runder Dorfgrundriss weist größtenteils auf alte slawische Siedlungen hin. Überwiegend entschied aber der Locator über der Grundriss eines Dorfes. Locator wurde derjenige genannt, der von den schlesischen Grundherren ausgesandt wurde, um neue Siedler ins Land zu holen. Er kam mit den neuen Siedlern zurück, erhielt von seinem Grundherrn einen Platz für das neue Dorf angewiesen und erhielt von seinem Grundherrn als "Dank" für die neuen Siedler das so genannte Freirichtergut in dem neuen Dorf, das überwiegend erblich war. Der Locator maß auch die Grundstücke für die verschiedenen neuen Bauernhöfe aus, die Hufe.

Im Jahre 1335 verzichtete Koenig Kasimir III. von Polen letztendlich „auf ewige Zeiten" auf seine Ansprüche gegenüber schlesischen Gebieten, die unter böhmischer Lehnshoheit standen. Jetzt kam ganz Schlesien unter böhmische Herrschaft und mittelbar zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, da der Koenig von Boehmen Mitglied des Reiches war.

In Dezember 1740 marschierte der preußische Herrscher Friedrich II. mit seinen Armeen in Schlesien ein und besetzte fast das ganze Land. Die österreichische Herrscherin Maria Theresia als Königin von Boehmen verlor Schlesien an Preußen mit Ausnahme des Fürstentums Teschen, des Fürstentums Troppau-Jägerndorf und einiger Teile der Diözese Breslau nahe Neisse. Sie verlor außerdem die Grafschaft Glatz, die nicht zu Schlesien gehörte, sondern eine souveräne Grafschaft innerhalb Böhmens war. Zwei weitere schlesische Kriege folgten, ohne dass eine Änderung in der neuen Staatszugehörigkeit eintrat. 1807 wurde im Frieden von Tilsit letztendlich bestätigt, dass Schlesien bei Preußen verblieb. Der Teil Schlesiens, der bei Österreich verblieb, wurde jetzt Österreichisch- Schlesien genannt.

Auch der preußische Herrscher Friedrich II. versuchte erneut, neue Siedler ins Land zu holen. Mehr als 60.000 Siedler kamen nach der preußischen Übernahme neu nach Schlesien. Friedrich II. gründete viele neue Ansiedlungen genannt "Kolonien", wie Kolonie XYdorf oder "Ausbauten" wie Ausbau XYdorf, sowie neue Webersiedlungen. Diese Siedlungen hießen "Friderizianische-Siedlungen". Diese neuen Siedlungen wurden größtenteils in der Zeit zwischen 1740 und 1806 gegründet.

Nach der preußischen Übernahme war das historische Schlesien in zwei Teile geteilt, nämlich in das preußische Herzogtum Schlesien - später preußische Provinz Schlesien. Der östliche Teil von preußisch Schlesien (genannt Ostoberschlesien ) kam nach dem 1. Weltkrieg an den wieder neu gegründeten Staat Polen infolge des Versailler Vertrages.

Nach dem 2. Weltkrieg kam das ganze preußische Schlesien an Polen aufgrund der Entscheidung der Konferenz von Potsdam im August 1945. Nur die Teile, die auf der linken Seite der Oder und Neisse liegen, verblieben bei Ostdeutschland. Dies sind die westlichen Teile der Ober Lausitz, die 1815 nach dem Wiener Kongress preußisch wurden. Nahezu die gesamte deutsche Bevölkerung musste Schlesien verlassen, als Polen das Land in Besitz nahm. Die ethnische Säuberung und Vertreibung der Deutschen war eine Konsequenz der Konferenz von Potsdam im Jahre 1945. Die Vertreibung fand unter schrecklichen Umständen unter den Augen der Alliierten Siegermächte statt. Sie hatten entschieden, dass die Deutschen das Land verlassen mussten. Niemand durfte mehr mitnehmen, als man mit seinen zwei Händen tragen konnte. Es war für die Deutschen verboten, irgendwelche persönlichen Dokumente wie Pässe, Familienbücher, Geburtsurkunden und so weiter mitzunehmen, als sie das Land zu verlassen hatten.

Der österreichische Teil vom Schlesien (das so genannte Österreichisch- Schlesien) wurde im Jahre 1763 böhmisches Kronland. 1849 erhielt es seine eigene Landesregierung innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie. Troppau war Hauptstadt von Österreichisch-Schlesien.

Als Österreich-Ungarn nach dem 1. Weltkrieg unterging, wurde der Bezirk Teschen entlang der Olsa zwischen den neu gegründeten Staaten Polen und Tschechoslowakei geteilt. Der Rest von Österreichisch-Schlesien kam zur Tschechoslowakei. Nach dem 2. Weltkrieg hatte die deutsche Bevölkerung das gleiche Schicksal wie die Deutschen im preußischen Teil. Sie hatten das Land zu verlassen unter den gleichen schrecklichen Umständen wie die Deutschen in dem anderen Teil und wie alle anderen Deutschen in den früheren deutschen Gebieten auf der anderen Seite von Oder und Neisse.