Meine Mutter und auch ich wussten bis 2003, außer einer Feldpostnummer, über den militärischen Verlauf meines Vaters nichts genaues. Ab der Zeit recherchierte ich im Internet, seitdem ging es rasend schnell voran.

Über einen Andreas Altenburger, der die Web Seiten des http://www.lexikonderwehrmacht.de betreibt, kam ich dahinter das mein Vater bei den Hoch- und Deutschmeister war (nicht bei der Musikkapelle sondern es war eine Deutsch- Österreichische Einheit). Wir wussten, er war in der Bäckereikompanie aber mehr nicht. Andreas Altenburger wies mich darauf hin, dass es einen Veteranen-Verein gibt der mir evtl. weiter helfen kann, nur wo wusste er auch nicht. Mit etlichen Fehlversuchen erfuhr ich von einem Mann in Frankfurt, der von dem Veteranen-Verein eine Zeitung erhält. Ich versuchte Verbindung mit diesem Mann aufzunehmen, was zunächst misslang. Es stellte sich heraus, der Mann ist an meinem Geburtstag (17.2.) 2002 verstorben. Mit einigen hin und her kam ich an den Obmann des Veteranen-Verein, jetzt ging alles explosionsartig voran.

Zunächst erfuhr ich, dass Monte Cassino in der Nähe von Neapel liegt (nicht wie von deutschen Behörden mitgeteilt etwas nördlich von Rom). Dann erfuhr ich, dass mein Vater am letzten Tag (18. Mai 1944) der Schlacht um das Kloster Monte Cassino schwer verwundet wurde. Man hatte aber einen Zettel gefunden mit dem Namen meines Vaters, auf dem Zettel stand am 20. Mai "lebend gesehen", was immer das heißen sollte. Meine Mutter wiederum, erhielt im Dezember 1949 einen Brief in Französisch geschrieben und gestempelt, dass mein Vater "Ende Mai 1944 gestorben" ist.

Als erstes bekam ich eine Adresse direkt vor meiner Haustür. In Bad Homburg gab es einen Mann, welcher sehr oft nach Monte Cassino fuhr und sich da bestens auskennt. Möchten Sie mitfahren? Was für eine Frage ... ja so schnell wie möglich. Vielleicht lebt noch jemand der meinen Vater kannte, vielleicht bekomme ich die Gelegenheit mit Augenzeugen, Veteranen usw. persönlich zu sprechen trotz dem hohen Alter der Teilnehmer (85 bis über 90 Jahre).

Inzwischen begannen im Hintergrund ausgedehnte Sucharbeiten unter den Veteranen, man durchsuchte die umfangreichen Gefangenenlisten, Listen von 20 Nationen die hier kämpften.

Man durchsuchte die Klosterunterlagen ... die Mönche versorgten in den letzten Tagen verwundete Soldaten mit Salben und Verbandsmaterial.

Man startete Aufrufe in Italienischen Zeitungen und im Italienischen Fernsehen, alles erfolglos. Nun kam ein Telefonanruf möchten sie dieses Jahr für die Hoch- und Deutschmeister auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Caira, und auf dem Schicksalsberg der Italiener, dem Colle Abarte, die Kranzniederlegung übernehmen. Solch eine Ehre, selbstverständlich sagte ich sofort zu. Kenne nichts, weiß nichts und so eine Gelegenheit einmalig.

Ich hatte hier das erste mal Gelegenheit mit "Kriegsteilnehmer" in Kontakt zu treten, ich hab den Leuten Löcher in den Bauch gefragt. Hatte ich doch endlich Gelegenheit etwas zu erfahren, was mir bislang weder meine Mutter, noch irgendwelche Behörden beantworten konnten.

Mühselig kam ich in kleinsten Schritten weiter, aber es waren hier ja viele Nationen anwesend. Es war für mich mühselig, weil ich nur deutsch kann, weder italienisch noch englisch, und daher brauchte ich immer jemanden zum übersetzen.

Die erstaunlichste Sache für mich war die überaus große Freundlichkeit der Einheimischen Bevölkerung. Darunter ein Mann, welcher im Kloster zur Welt kam, seine Mutter bei der Bombardierung ums Leben kam, und er nur überlebte weil er von Deutschen Wehrmachtsangehörigen ernährt wurde.

Unter Mithilfe der Bevölkerung erfuhr ich, dass in den letzten 10 Tagen die Bäckerei (wo mein Vater ja war) von Terelle nach Belmonte Castello verlegt wurde. Aber wohin? Die neue Suche dauerte noch 2 Jahre. Leider ist inzwischen der letzte Bewohner des Hauses verstorben. Aber wir trafen eine Nichte welche mir sagte, Nachts schliefen 3 Soldaten in der Wohnung oben, und unten wurde notdürftig Brot gebacken. Hier fand ich jetzt das Haus in dem mein Vater am letzten Tag der Kämpfe um Monte Cassino (18.Mai 1944) durch Granatsplitter schwer verwundet wurde.

Weitere 2 Jahre später kam heraus, dass mein Vater danach über Umwege ins Hauptsammel-Lazarett nach Tivoli kam, das war ein Krankenhaus in dem der Park wegen Überbelegung mit als Lazarett mitbenutzt wurde. Hier geschah das Furchtbare, am 26.Mai.1944 wurde das Lazarett durch englische Bomber völkerrechtswidrig bombardiert. Es kamen über 650 Menschen ums Leben Soldaten, italienische Krankenschwestern und Helfer.

In Tivoli wie auch in einigen anderen Städte in Italien besteht ein altes Gesetz was bis heute die Gültigkeit hat, wer im Stadtgebiet verstirbt wird auch hier beerdigt und nicht umgebettet. Wir fanden das Grab, es ist auch als Grabstätte des Bombenangriff vom 26.Mai 1944 gekennzeichnet. Hier ist laut Friedhofsverwaltung eine Gruft mit allen 650 Toten, welche in schwarzen Pappsärgen deutlich weiß beschriftet, aufbewahrt werden. Auch mein Vater!

Seit dieser Zeit bin ich intensiv bei der Kameradschaft der "Hoch- und Deutschmeister".